"Brauche ich überhaupt eine Website? Ich habe doch ein Google Profil." Diese Frage höre ich täglich von Handwerksbetrieben — und die ehrliche Antwort lautet: kommt drauf an. Aber nicht so, wie die meisten denken.
In diesem Artikel: die nüchterne Analyse beider Tools, wann was lohnt — und warum die meisten Betriebe beides falsch nutzen.
Was kann das Google Business Profil?
Das GBP ist Googles eigene Visitenkarte für lokale Unternehmen. Komplett kostenlos. Erscheint:
- In der Google-Suche bei Markenanfragen ("Müller Elektrotechnik")
- In der Maps-Suche bei Kategorie-Anfragen ("Elektriker München")
- Im Maps-Pack (Top 3 Kacheln) der Suchergebnisse
- Auf Google Maps direkt
Stärken:
- Sofort sichtbar, keine SEO-Wartezeit
- Anrufe direkt aus der Suche
- Wegbeschreibung mit einem Klick
- Bewertungen, die Vertrauen schaffen
- Posts und Fotos für Aktualität
Grenzen:
- Du gehörst Google. Eine Profil-Sperre, und dein Online-Auftritt ist weg.
- Begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten
- Keine eigenen Conversion-Funnels (Kontaktformulare, Termin-Buchung, FAQ)
- Keine Detailseiten zu jeder Leistung
- Kein eigenes Branding über Logo und Farben hinaus
Was kann eine eigene Website?
Eine Website ist dein Eigentum. Niemand kann sie sperren (außer der Provider — aber der ist austauschbar).
Stärken:
- Komplette Gestaltungsfreiheit
- Detailseiten für jede einzelne Leistung
- Kontaktformulare, Termin-Buchung, Online-Bezahlung
- Blog für Content-Marketing und SEO
- Trust-Elemente: Referenzen, Zertifikate, Geschichten
- Eigenes Tracking (Conversions, Verhalten)
Grenzen:
- Kostet Geld: 500–5.000 € einmalig + 30–100 €/Monat Wartung
- SEO-Aufbau dauert: realistisch 3–12 Monate bis erste Rankings
- Braucht Pflege: ohne Updates wird sie schnell zur Sicherheits-Lücke
Die ehrliche Wahrheit: Du brauchst BEIDES — aber in dieser Reihenfolge
Stufe 1: GBP zuerst, immer
Wenn du heute startest oder ein vernachlässigtes Profil hast: GBP zuerst auf 100 % bringen. Das kostet 0 € (außer Zeit) und bringt in 30–60 Tagen erste Anfragen.
Konkrete Aufgaben (siehe auch 10 GBP-Fehler):
- Profil verifizieren
- Kategorien optimieren
- 20+ echte Fotos hochladen
- Bewertungs-Workflow aufsetzen
- Wöchentlich 1–2 Posts
Zwischenbilanz: Mit einem starken GBP allein kannst du als kleiner Handwerksbetrieb durchaus 3.000–5.000 € Monatsumsatz aus Google generieren.
Stufe 2: Einfache Website, sobald GBP läuft
Sobald das GBP rundläuft (60–90 Tage), kommt die Website. Aber kein 5.000-Euro-Projekt mit 30 Unterseiten. Stattdessen:
- 1 Startseite mit klarem Angebot und CTA
- 3–5 Leistungsseiten (für die wichtigsten Services)
- 1 "Über uns"-Seite mit Team und Story
- 1 Kontaktseite mit Formular und Map
- Impressum, Datenschutz
Kosten: 800–2.000 € einmalig, 30–50 €/Monat Hosting + Wartung. Mehr in Lokale SEO Guide.
Stufe 3: Website-SEO und Content
Erst wenn die Basis steht: Blog-Artikel zu typischen Kundenfragen. Lokale Landingpages für umliegende Städte. Backlink-Aufbau.
Das kommt frühestens in Monat 6–12.
Warum die meisten beides falsch machen
Fehler 1: Website ohne GBP-Optimierung
Sie lassen die Website für 4.000 € bauen — ranken aber bei "Maler München" nicht in den Top 10. Das GBP ist halbleer. Das Ergebnis: schicke Visitenkarte, aber keine Anfragen.
Fehler 2: GBP ohne Website-Backlink
GBP läuft, aber die Website-Domain ist nicht eingetragen. Damit verliert das Profil einen Ranking-Faktor — die Verknüpfung zur eigenen Domain.
Fehler 3: Inkonsistente NAP
Telefonnummer auf der Website ≠ Telefonnummer im GBP ≠ Telefonnummer auf Gelbe Seiten. Ergebnis: Vertrauensverlust bei Google. Maps-Ranking sinkt.
Fehler 4: Website ohne lokale Signale
Die Website hat keine Adresse im Footer, keine eingebettete Maps-Karte, keine Stadt im Title-Tag. Damit hilft sie dem GBP-Ranking nicht.
H3-Spezialfall: Wann reicht das GBP wirklich allein?
Drei Szenarien, in denen du erstmal keine Website brauchst
- Notdienst-Handwerker mit klarem Service (Schlüsseldienst, Rohrnotdienst): Hier ruft der Kunde sofort an, eine Website wird kaum geöffnet.
- Reine Auslastungs-Phase: Du bist 6 Monate ausgebucht. Eine Website lohnt erst, wenn du Akquise-Bedarf hast.
- Ein-Mann-Betrieb mit reinem Mundpropaganda-Geschäft: GBP reicht für Vertrauenscheck, mehr brauchst du nicht.
- Stufe 1 (GBP): Pflicht
- Stufe 2 (1-Seiten-Website): Empfohlen, ab 500 € möglich
- Stufe 3 (SEO): Optional, nur bei Akquise-Bedarf
- Stufe 1: Pflicht
- Stufe 2 (5–8 Seiten): Pflicht
- Stufe 3 (SEO + Content): Stark empfohlen, langfristiger Hebel
- Alle Stufen Pflicht
- Zusätzlich: Karriere-Seite (Fachkräftemangel!), Pressebereich, mehrsprachig wenn relevant
In allen anderen Fällen: Website kommt nach Stufe 1.
Konkrete Empfehlung nach Betriebsgröße
Solo-Handwerker (1–2 Personen)
Kleinbetrieb (3–10 Personen)
Mittelbetrieb (10+ Personen)
Was kostet was wirklich?
| Stufe | Aufwand einmalig | Monatlich | Erwartbare Anfragen/Monat |
|---|---|---|---|
| Nur GBP | 0 € (Zeit) | 0 € | 5–15 |
| GBP + 1-Seiten-Website | 500–1.000 € | 30 € | 8–20 |
| GBP + 5-Seiten-Website | 1.500–3.000 € | 50 € | 12–30 |
| GBP + Website + SEO | 3.000–8.000 € | 200–800 € | 25–60 |
Annahme: Handwerksbetrieb in deutscher Mittelstadt (50.000–200.000 Einwohner).
Fazit
Die Frage "Website oder GBP" ist die falsche Frage. Die richtige lautet: "Was zuerst und in welcher Reihenfolge?" Antwort: GBP first, immer. Website folgt, sobald die Basis steht. Wer das umgekehrt macht, verbrennt Geld.
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