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Website vs. Google Business Profil: Was brauchst du wirklich?

"Brauche ich überhaupt eine Website? Ich habe doch ein Google Profil." Diese Frage höre ich täglich von Handwerksbetrieben — und die ehrliche Antwort lautet: kommt drauf an. Aber nicht so, wie die meisten denken.

Autor: Mahsum Demir Veröffentlicht: 27. April 2026 Kategorie: Strategie

"Brauche ich überhaupt eine Website? Ich habe doch ein Google Profil." Diese Frage höre ich täglich von Handwerksbetrieben — und die ehrliche Antwort lautet: kommt drauf an. Aber nicht so, wie die meisten denken.

In diesem Artikel: die nüchterne Analyse beider Tools, wann was lohnt — und warum die meisten Betriebe beides falsch nutzen.

Was kann das Google Business Profil?

Das GBP ist Googles eigene Visitenkarte für lokale Unternehmen. Komplett kostenlos. Erscheint:

  • In der Google-Suche bei Markenanfragen ("Müller Elektrotechnik")
  • In der Maps-Suche bei Kategorie-Anfragen ("Elektriker München")
  • Im Maps-Pack (Top 3 Kacheln) der Suchergebnisse
  • Auf Google Maps direkt

Stärken:

  • Sofort sichtbar, keine SEO-Wartezeit
  • Anrufe direkt aus der Suche
  • Wegbeschreibung mit einem Klick
  • Bewertungen, die Vertrauen schaffen
  • Posts und Fotos für Aktualität

Grenzen:

  • Du gehörst Google. Eine Profil-Sperre, und dein Online-Auftritt ist weg.
  • Begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten
  • Keine eigenen Conversion-Funnels (Kontaktformulare, Termin-Buchung, FAQ)
  • Keine Detailseiten zu jeder Leistung
  • Kein eigenes Branding über Logo und Farben hinaus

Was kann eine eigene Website?

Eine Website ist dein Eigentum. Niemand kann sie sperren (außer der Provider — aber der ist austauschbar).

Stärken:

  • Komplette Gestaltungsfreiheit
  • Detailseiten für jede einzelne Leistung
  • Kontaktformulare, Termin-Buchung, Online-Bezahlung
  • Blog für Content-Marketing und SEO
  • Trust-Elemente: Referenzen, Zertifikate, Geschichten
  • Eigenes Tracking (Conversions, Verhalten)

Grenzen:

  • Kostet Geld: 500–5.000 € einmalig + 30–100 €/Monat Wartung
  • SEO-Aufbau dauert: realistisch 3–12 Monate bis erste Rankings
  • Braucht Pflege: ohne Updates wird sie schnell zur Sicherheits-Lücke

Die ehrliche Wahrheit: Du brauchst BEIDES — aber in dieser Reihenfolge

Stufe 1: GBP zuerst, immer

Wenn du heute startest oder ein vernachlässigtes Profil hast: GBP zuerst auf 100 % bringen. Das kostet 0 € (außer Zeit) und bringt in 30–60 Tagen erste Anfragen.

Konkrete Aufgaben (siehe auch 10 GBP-Fehler):

  • Profil verifizieren
  • Kategorien optimieren
  • 20+ echte Fotos hochladen
  • Bewertungs-Workflow aufsetzen
  • Wöchentlich 1–2 Posts

Zwischenbilanz: Mit einem starken GBP allein kannst du als kleiner Handwerksbetrieb durchaus 3.000–5.000 € Monatsumsatz aus Google generieren.

Stufe 2: Einfache Website, sobald GBP läuft

Sobald das GBP rundläuft (60–90 Tage), kommt die Website. Aber kein 5.000-Euro-Projekt mit 30 Unterseiten. Stattdessen:

  • 1 Startseite mit klarem Angebot und CTA
  • 3–5 Leistungsseiten (für die wichtigsten Services)
  • 1 "Über uns"-Seite mit Team und Story
  • 1 Kontaktseite mit Formular und Map
  • Impressum, Datenschutz

Kosten: 800–2.000 € einmalig, 30–50 €/Monat Hosting + Wartung. Mehr in Lokale SEO Guide.

Stufe 3: Website-SEO und Content

Erst wenn die Basis steht: Blog-Artikel zu typischen Kundenfragen. Lokale Landingpages für umliegende Städte. Backlink-Aufbau.

Das kommt frühestens in Monat 6–12.

Warum die meisten beides falsch machen

Fehler 1: Website ohne GBP-Optimierung

Sie lassen die Website für 4.000 € bauen — ranken aber bei "Maler München" nicht in den Top 10. Das GBP ist halbleer. Das Ergebnis: schicke Visitenkarte, aber keine Anfragen.

Fehler 2: GBP ohne Website-Backlink

GBP läuft, aber die Website-Domain ist nicht eingetragen. Damit verliert das Profil einen Ranking-Faktor — die Verknüpfung zur eigenen Domain.

Fehler 3: Inkonsistente NAP

Telefonnummer auf der Website ≠ Telefonnummer im GBP ≠ Telefonnummer auf Gelbe Seiten. Ergebnis: Vertrauensverlust bei Google. Maps-Ranking sinkt.

Fehler 4: Website ohne lokale Signale

Die Website hat keine Adresse im Footer, keine eingebettete Maps-Karte, keine Stadt im Title-Tag. Damit hilft sie dem GBP-Ranking nicht.

H3-Spezialfall: Wann reicht das GBP wirklich allein?

Drei Szenarien, in denen du erstmal keine Website brauchst

  1. Notdienst-Handwerker mit klarem Service (Schlüsseldienst, Rohrnotdienst): Hier ruft der Kunde sofort an, eine Website wird kaum geöffnet.
  2. Reine Auslastungs-Phase: Du bist 6 Monate ausgebucht. Eine Website lohnt erst, wenn du Akquise-Bedarf hast.
  3. Ein-Mann-Betrieb mit reinem Mundpropaganda-Geschäft: GBP reicht für Vertrauenscheck, mehr brauchst du nicht.
  4. In allen anderen Fällen: Website kommt nach Stufe 1.

    Konkrete Empfehlung nach Betriebsgröße

    Solo-Handwerker (1–2 Personen)

    • Stufe 1 (GBP): Pflicht
    • Stufe 2 (1-Seiten-Website): Empfohlen, ab 500 € möglich
    • Stufe 3 (SEO): Optional, nur bei Akquise-Bedarf

    Kleinbetrieb (3–10 Personen)

    • Stufe 1: Pflicht
    • Stufe 2 (5–8 Seiten): Pflicht
    • Stufe 3 (SEO + Content): Stark empfohlen, langfristiger Hebel

    Mittelbetrieb (10+ Personen)

    • Alle Stufen Pflicht
    • Zusätzlich: Karriere-Seite (Fachkräftemangel!), Pressebereich, mehrsprachig wenn relevant

    Was kostet was wirklich?

    | Stufe | Aufwand einmalig | Monatlich | Erwartbare Anfragen/Monat |
    |---|---|---|---|
    | Nur GBP | 0 € (Zeit) | 0 € | 5–15 |
    | GBP + 1-Seiten-Website | 500–1.000 € | 30 € | 8–20 |
    | GBP + 5-Seiten-Website | 1.500–3.000 € | 50 € | 12–30 |
    | GBP + Website + SEO | 3.000–8.000 € | 200–800 € | 25–60 |

    Annahme: Handwerksbetrieb in deutscher Mittelstadt (50.000–200.000 Einwohner).

    Fazit

    Die Frage "Website oder GBP" ist die falsche Frage. Die richtige lautet: "Was zuerst und in welcher Reihenfolge?" Antwort: GBP first, immer. Website folgt, sobald die Basis steht. Wer das umgekehrt macht, verbrennt Geld.

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